


Norddeutsche Klimaretter: Bürgersolarverein Neustrelitz
Umweltfreundlich und nachhaltig Strom erzeugen und dabei auch noch Geld verdienen - das klingt verführerisch. Eine Möglichkeit ist eine Solaranlage auf dem eigenen Hausdach. Doch was tun, wenn man kein geeignetes Dach zur Verfügung hat oder das nötige Geld nicht aufbringen kann? Ein Verein in Neustrelitz im Südosten von Mecklenburg-Vorpommern hat die Lösung: Er bringt interessierte Leute zusammen und baut Bürgersolaranlagen.
Zwei Solaranlagen auf dem Schuldach
Die Gesamtschule Walter Karbe im Süden von Neustrelitz: Schon von weitem schimmert es auf dem schrägen Ziegeldach in tiefem Blau. Zwei Anlangen aus insgesamt fast 100 silbern umrahmten Solarmodulen sind dort oben installiert, sie bedecken fast die Hälfte der Dachfläche. Direkt neben neben dem Eingang der Schule steht eine elektronische Anzeigetafel. Große rote Buchstaben leuchten darauf: Leistung aktuell: null Kilowatt. Kein Wunder bei den dicken grauen Wolken am Himmel. Insgesamt war 2009 aber ein sehr gutes Jahr, sagt der Vorsitzende des Bürgersolarvereins Neustrelitz, Hendrik Fulda: "Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an das schöne Frühjahr ... Solaranlagen arbeiten am besten, wenn es noch kühl ist, aber die Sonne schon kräftig scheint."
"Ethisch unbedenkliche Geldanlage"
Rund 50 Neustrelitzer freuen sich mit Hendrik Fulda über jeden Sonnenstrahl. Denn ihnen gehören die beiden Solaranlagen auf dem Schuldach gemeinsam. Darunter sind Rentner genau wie Studenten. Fast 100.000 Euro haben sie zusammen investiert - zwischen 500 und 10.000 Euro. Allein für das Klima und ein gutes Gewissen haben die Vereinsmitglieder ihr Geld aber nicht locker gemacht. Für sie soll sich die Investition auch rechnen. Und das tut sie, dank der per Gesetz garantierten Vergütung für Solarstrom. Derzeit sind das rund 43 Cent pro Kilowattstunde. Die Erträge werden verteilt - eine "ethisch unbedenkliche Geldanlage", meint Fulda.
Die Idee für den Bürgersolarverein hatte Hendrik Fulda aus Brandenburg. Dort haben verschiedene Vereine schon zehn Anlagen ans Netz gebracht. Auch in Mecklenburg-Vorpommern macht das Modell inzwischen Schule. Eine Bürgerinitiative aus dem Bützower Land hat mit Unterstützung des Neustrelitzer Vereins ihre eigene Anlage in Betrieb genommen. Fulda und seine Mitstreiter wollen die Nutzung von erneuerbaren Energien noch populärer machen. "Das Thema sollte im normalen Schulunterricht behandelt werden, Interesse ist da, die Schüler fragen die Lehrer Löcher in den Bauch", so Fulda.
Freude über jeden Sonnenstrahl
Inzwischen hat der Verein schon das Geld für eine dritte Anlage auf dem Schuldach zusammen. Die beiden anderen haben mit der Kraft der Sonne bereits mehr als 23.000 Kilowattstunden Strom erzeugt, genug für sechs Familien. Auch das zeigt die elektronische Anzeigetafel vor der Walter-Karbe-Schule. Viele Mitglieder des Solarvereins machen freiwillig einen Umweg, wenn sie in Neustrelitz unterwegs sind, sagt Fulda. Nur um mal wieder einen Blick darauf zu werfen.
Autorin/Autor: Sebastian Welzel, NDR Info
Stand: 14.11.2009 07:20
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